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Zum hundertsten Jahrestag der Ermordung von

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Ein kritischer Beitrag von Patrick Schakel

 

Heute, am 15. Januar 2019, jährt sich der Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zum hundertsten Mal.

Meine Sozialisation in der DDR weitergedacht, wäre dieser heutige Tag in der DDR – hätte ein System Wechsel nie stattgefunden – ein Tag größer Worte und möglicherweise auch großer Taten. Der Systemwechsel hat stattgefunden. Und damit auch die Abkehr vom staatlich verordneten und von der Moskauer KP gesteuerten Sozialismus.

Die beiden Sozialisten Liebknecht und Luxemburg haben dennoch ihren Platz in meinem historischen Gedächtnis behalten. In meinem eigenen sozialdemokratischen Selbstverständnis nehmen beide eine herausragende Stellung ein. Sonderbarerweise ist mein Selbstbild als Sozialdemokrat auch durch meine sozialistische Sozialisation bis 1989 geprägt. Natürlich weiß ich, dass Liebknecht und Luxemburg als Kommunisten anzusehen sind. Immerhin ging die KPD aus dem Spatakusbund hervor. Doch hatten sie – wie ich aus meiner heutigen Perspektive weiß, einen guten Grund gegen die gängige SPD-Meinung ab 1913 zu argumentieren: Ablehnung der Kriegskredite. Die daraus entstandene USPD liegt mir aus diesem Grund durchaus nahe. Gleichwohl muss die mit der Zeit daraus entstandene KPD mit ihrer aggressiven, extremen Politik genauso kritisch gesehen werden - besonders im Hinblick auf die Entwicklungen im sogenannten Sozialismus unter der DDR-Staatspartei SED.

Im Zusammenhang mit dem Tod von Liebknecht und Luxemburg ist mir auch der Name Gustav Noskes ein Begriff: „Arbeitermörder Noske“. Ich sehe die Seite noch vor mir: im von meiner Mutter mir übereigneten Buch „Weltall, Erde, Mensch“ waren auch die frühen Jahre der Weimarer Republik thematisiert worden.

Ab Oktober des letzten Jahres mehrten sich die Publikationen in den Zeitschriftenregalen unserer Republik, die sich mit dem 100. Jahrestag der Novemberrevolution beschäftigten. Mir wurde bei der Lektüre ausgewählter Artikel schmerzlich klar, dass sich historisches Wissen und die Betrachtung historischer Ereignisse anders verhalten als mathematisches Wissen. Die Sicht auf die Historie kann sich ändern.

Der „Arbeitermörder Noske“ war Sozialdemokrat. Eine für mich vollkommen neue Information. Friedrich Ebert war die Revolution zuwider. Er soll sogar versucht haben, Scheidemanns Ausrufung der Republik rückgängig zu machen. Und es kam zu konkreten Zusammenarbeit führender Sozialdemokraten mit militaristischen und reaktionären Kräften innerhalb der Freikorps.

Stand Noske, gegebenenfalls sogar Ebert, an der Spitze der Planungen, die zum Tode von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg führten? Das Eingeständnis, in diesem Zusammenhang Geschichte neu denken zu müssen, schmerzt. Als Historiker bin ich mir aber im Klaren darüber, dass sich historische Wahrheiten mitunter ändern. Sei es aufgrund einer geänderten weltanschaulichen Betrachtung oder aber ob neuer geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse. Was ich noch als „Schlacht im Teutoburger Wald“ kennengelernt hatte, wird ob des Zweifelns an ihrer korrekten lokalen Verortung seit geraumer Zeit als „Varusschlacht“ bezeichnet.

Während mir diese Anpassung meines historischen Wissens weniger Schmerzen bereitet, greift die Aktualisierung der Betrachtung um die Geschehnisse des 15. Januars 1919 aktiv in mein Selbstverständnis ein. Aber auch das gehört dazu. Es ist eine Binsenweisheit, dass Unfehlbarkeit nicht existiert. Genauso wissen wir, dass sich Licht und Schatten gegenseitig bedingen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, sich kritisch und nicht selbstzerstörerisch mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Beispiele hierfür gibt es zur Genüge. Auch Beispiele dafür, dass dies mitunter umgangen wird.

Aus diesem Grund fordere ich als Historiker, Lehrer und Sozialdemokrat die Wiedereinsetzung der Historischen Kommission der SPD. Nur ein kritischer Umgang mit der eigenen Geschichte ist die Grundlage für eine glaubwürdige Zukunft.

Ich gedenke heute Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

 

Patrick Schakel, 15. Januar 2019

 
 

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